Nur wer das Tal der Tränen durchschreitet, erlebt wirkliche Veränderung

Das Leben läuft und läuft, alles ist soweit in Ordnung und funktioniert – aber eben nur soweit. Hinter der soweit tadellosen Lebensfassade poppt immer wieder dieses diffuse Gefühl der inneren Leere auf.

Es ist nicht weiter schlimm, aber irgendwie fühlt es sich an, als ob ich im Blumengeschäft Rosen kaufen möchte und mit Tulpen nach Hause gehe. Irgendwie fühlt es sich nicht stimmig an. Zwischen dem Jetzt und meinen Zukunftsplänen scheint sich eine tiefe Kluft zu öffnen und leider fehlt die verbindende Brücke dazu.

Kennst du das auch?

Meiner Erfahrung nach, suchen Menschen dann häufig ein Coaching auf. Sie haben bis zu diesem Zeitpunkt vergeblich versucht, eine Brücke in ihre Zukunft zu bauen. Dummerweise reagieren wir Menschen auf einen Wandel vielfach mit den altbekannten Verhaltensmustern und hoffen so, dass sich unsere Situation verbessert – leider ohne Erfolg.

Hierzu ein kleines Beispiel:

Stell dir vor, du kochst seit Jahren die besten Pasta Napoli – alle rühmen dich dafür. Es geht dir einfach von der Hand, routiniert und sicher bereitest du das Gericht zu. Eines Tages beschliesst du, Safran-Risotto zu kochen. Doch mit dem Pasta-Rezept kommst du nicht mehr weit. Du brauchst ein neues Rezept!

Jetzt beginnt der Veränderungsprozess!

Mit Willenskraft, Frustrationstoleranz und Durchhaltewillen übst du, bis du irgendwann den gleichen Level erreichst, wie mit der Pasta Napoli.

Klar, du kannst auf die grundlegenden Erfahrungen des Kochens zurückgreifen und sie nutzen, doch es ist und bleibt ein neues Rezept!

Was will ich damit sagen?

Veränderung ist ein Prozess und verläuft in Phasen.

Und jetzt? Das ist nichts Neues!

Nein, ganz sicher nicht. Wer aber über Veränderungsprozesse Bescheid weiss, der kann in einer persönlichen Krise den Überblick bewahren und sich selbst aus der Vogelperspektive wahrnehmen. Somit findet unvermeidlich eine gewisse Entflechtung zum Problem statt und dies schützt wiederum vor einer lähmenden Handlungsunfähigkeit.

 

Und hier sind die 7 Phase eines Veränderungsprozesses aus dem Buch How to get Veränderung von Patrick Lynen:

Phase 1 – Vorahnung

Ständig stossen wir an persönliche Grenzen, drehen uns im Kreis, haben das Gefühl, dass uns etwas entgleitet. Wir sind verunsichert und hegen eine erste Vorahnung: „Eigentlich muss ich etwas verändern.“

 

Phase 2 – Schock und Schreck

Die innere Unzufriedenheit wächst weiter. Gedanken wie: „Das kann nicht wahr sein!“ oder „Das glaube ich einfach nicht!“ kriechen hoch. Manche reagieren an dieser Stelle mit einer gewissen Schreckstarre und können weder vor noch zurück.

 

Phase 3 – Verneinung und Verdrängung

Dem Schock folgt die Verdrängung. Je mehr Unsicherheit eine Veränderung mit sich zu bringen scheint, desto stärker ist unsere innere Abwehr. Denn eines unserer menschlichen Grundmuster ist: Alles möglichst schnell wieder in den Griff zu bekommen – sofort wieder Stabilität herstellen.

 

Phase 4 – Rationale Näherung

Langsam dämmert es uns. Wir sehen die Dinge so, wie sie sind, haben aber noch keine passende Lösung, die uns weiterbringt. „Früher war alles besser“, sagen wir uns. Der innere Druck steigt und wir wünschen uns ein möglichst baldiges Ende der unangenehmen Situation. Sämtliche Aber-Argumente versuchen uns die Veränderung auszureden: „Eigentlich sollte ich den Job kündigen, aber…“ oder „Ein klärendes Gespräch mit Susanne wäre schon angebracht, aber…“ usw. Wir sind aktuell noch nicht bereit für die Veränderung. Wir halten an der Vergangenheit fest und wollen sie nicht loslassen. Oder anders ausgedrückt: Wir versuchen krampfhaft, mit alten Mustern eine neue Wirklichkeit zu erschaffen.

 

Phase 5 – Emotionale Akzeptanz

Die folgende Phase ist die schmerzhafteste, gleichzeitig aber die wichtigste. Wir spüren, dass wir das Alte loslassen müssen, weil es definitiv nicht mehr zurückkommt. Wir wissen, wir brauchen einen neuen Weg, um wieder frei zu sein. Man nennt diese Phase auch das Tal der Tränen. Sie ist eine Art Reinigung: Wir lösen uns von alten Vorstellungen und Haltungen und tauchen unaufhaltsam in elementare Emotionen ein: Wut, Angst, Trauer, Verzweiflung und Schmerz. Verständlicher Weise versuchen viele Menschen genau diese schmerzhafte Phase zu vermeiden, weil sie mit Orientierungslosigkeit, Unsicherheit und eben Angst verbunden ist. All diese Emotionen helfen uns aber, uns von Vergangenem zu lösen und uns wirklich in Richtung Veränderung zu bewegen. Wer sich diesem Schmerz stellt, kann in die Weite blicken und sich neu orientieren. Das Tal der Tränen öffnet uns die Tür zur neuen Wirklichkeit. Es führt aber kein Weg herum, sondern nur hindurch!

 

Phase 6 – Öffnung, Neugier, Ausprobieren

Endlich geschafft, die Neugier erwacht. Wir klammern uns nicht mehr an die Vergangenheit und stellen uns dem Neuen. Wir stolpern und schwanken noch, doch allmählich folgen die ersten sicheren Schritte. Wir beginnen, die neuen Gegebenheiten in unser Leben zu integrieren und formen uns dadurch eine neue Wirklichkeit. Dabei machen wir natürlich Fehler. Und genau aus diesen Fehlern lernen wir. Denn sie helfen uns, einen festen Stand zu entwickeln und neue, geeignetere Strategien in den Alltag einzubauen.

 

Phase 7 – Integration und Selbstvertrauen

Der Weg ist nun frei für das Neue. Das Tal der Tränen ist durchschritten. Diese Phase kann schon mal euphorisch ausfallen: „Hurra, ich habe es geschafft.“ Das macht uns wieder richtig glücklich. Wir öffnen uns wieder für Freude und Spass und sind froh, den entscheidenden Schritt gemacht zu haben. Das Leben beginnt mit einer anderen Qualität zu fliessen.

 

Viele Lebenskrisen und Veränderungen führen durch diese 7 Phasen und sind universell auf alle Menschen übertragbar. Am meisten Mühe bereitet uns jedoch das Tal der Tränen. Wie oben erwähnt, verlieren wir in diesem Abschnitt völlig die Orientierung, Angst steigt hoch und die zuvor noch greifbare Sicherheit des Gewohnten bricht weg. Und da wir Menschen auf Schmerzvermeidung programmiert sind, versuchen viele das Tal zu umgehen.

In unseren Coachings stelle ich fest, wie wichtig aber dieses Durchleben aller Facetten ist. Kommen wir dann auf der „anderen Seite“ des Tals an, können wir wieder frei atmen und das Leben fühlt sich leicht und gangbar an. Und als Nebenwirkung erfahren wir jetzt, dass Emotionen uns nicht umbringen, sondern zum Leben dazu gehören.

Deshalb denk daran:

Den Lichtstrahl einer Taschenlampe sieht man nur im Dunkeln.

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