Lebst du schon, oder wohnst du noch? – Weiss IKEA mehr vom Leben als wir?

Nebst dem Verkauf von Einrichtungsgegenständen scheint IKEA ebenfalls in der psychosozialen Beratung Fuss zu fassen.
Oder was genau hat der Slogan mit dem Blog-Thema Selbstwirksamkeit zu tun?

Die gestellte Marketing-Frage lässt sich symbolisch auf unser Leben übertragen. Wer es sich zu Hause zu bequem eingerichtet hat, verpasst die wehenden Lebens-Fahnen ausserhalb der Wohnstube – oder anders gesagt: Die Komfortzone ist zu komfortabel geworden.
Lösung: Steh auf und verlass den IKEA-Sessel!

Mooooment!

Wenn das so einfach wäre, ginge ich 3x wöchentlich eine Stunde joggen, würde ich Stangensellerie der Bratwurst vorziehen und meinen Job endlich kündigen, der mir schon seit Jahren die Feierabend-Stimmung vermiest. Ich bin einfach eine Marionette der Lebensumstände!
Aus tierischer Sicht geben dir Förster & Kreuz in ihrem Buch „Nein – Was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken können“ völlig Recht, denn Tiere verhalten sich. Der sich im Schatten ausruhende König der Löwen ist bemüht, Schmerzen zu vermeiden und Lust zu erhöhen. Er verhält sich also seiner Art entsprechend. Doch (leider) ist es bei uns Menschen etwas komplizierter. Wir sind in der Lage zu handeln. Jede Handlung bringt einen vorangegangenen Entscheid mit sich. Wir treffen bewusst oder meistens unbewusst eine Wahl. Somit ist Handeln niemals alternativlos, sondern immer eine Entscheidung gegen andere Alternativen (Nicht-Handeln ebenfalls), frei nach dem Motto: Wir können nicht nicht handeln.
Ein grundlegendes Indiz für wenig Selbstwirksamkeit gibt die benutzte Sprache. Wer Aussagen wie: „Ich kann nichts ändern.“ oder „Ich bin einfach so.“ von sich gibt, steckt häufig in der Komfortzone fest. Die Verantwortung wird nach aussen abgegeben – Fremdbestimmung dominiert.

Doch was nun?

Selbstwirksamkeit basiert auf der inneren Überzeugung mit eigenen Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich ausführen zu können.

Was?

Also: ICH weiss was ICH kann, ICH weiss was ICH will und ICH tue es dann. Um überhaupt selbst wirksam zu sein, ist eine menschliche Fähigkeit von existenziellem Wert: die Fähigkeit der Selbstwahrnehmung. Während die tierischen Erdmitbewohner keine Möglichkeit haben sich selbst zu beobachten, sind wir Menschen in der Lage, über den eigenen Gedankenvorgang nachzudenken.
Und genau das ist der Grundstein zur Selbstwirksamkeit: mich und meine Fähigkeiten wahrnehmen.
Nochmals etwas Theorie: Wenn wir Menschen vor einer herausfordernden Situation stehen, wägen wir die Anforderungen gegen unsere Fähigkeiten ab. Erst dann entscheiden wir uns für eine bestimmte Handlung.
Doch was passiert nun, wenn ich keinen Zugang oder kein Bewusstsein hinsichtlich den eigenen Talenten und Stärken habe?

Ich bleibe in meinem IKEA-Sessel sitzen, führe mir aus der linken Hand Chips zu, währenddessen ich geschickt mit der rechten Hand ein Selfie schiesse und es mit wenigen Klicks ins Gesichterbuch poste.

Die glänzende Überschrift lautet:
Ich in meiner komfortablen IKEA-Oase.

Alles schön und gut, aber so einfach kann das nicht sein – oder?!

Nein, definitiv nicht!

Wer Verantwortung für sich übernimmt, gerät häufig an die Grenzen seiner Wohlfühlzone – sprich an den Rand zwischen Sicherheit und Freiheit. Und das bringt unweigerlich

– Ängste,
– Unsicherheit,
– Besorgnis,
– Orientierungslosigkeit
– und vieles mehr mit sich.

Alle diese Reaktionen gehören aber dazu. Diejenigen, die die Grenzlinie überschreiten, gehen das Risiko von möglichen Fehlentscheidungen ein. Das war die schlechte Nachricht.

Jetzt folgt die gute Nachricht.

Studien mit krebskranken Patienten im Endstadium haben ergeben, dass sie am Sterbebett nicht die vermeintlich falsch getroffenen Entscheidungen bereuen, sondern die nicht getroffenen Entscheidungen. Wer hätte das gedacht?
Ganz egal, ob du nun im Sessel sitzen bleibst oder dich dem Leben ausserhalb der IKEA-Oase stellst, ein bedeutender Schritt muss dem voraus gehen: deine Entscheidung!
Weil: Keine Entscheidung zu treffen, macht sich beim Übertritt in die nächste Sphäre offensichtlich schlechter, als eine falsch getroffene.

Wie entscheidest du dich?
Entscheidest du dich überhaupt?
Wenn ja, leben oder wohnen?
Wenn nein, zufrieden oder stille Verzweiflung?

Denk daran:
Wenn du Veränderung willst, werde selbst wirksam. Denn du weisst nie, wie viel Zeit dir bleibt.

Und das wusste Albert Einstein schon lange vor uns.
„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Weiterführende Impulse zum Thema

Buch-Empfehlung
NEIN – Was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken können
Anja Förster & Peter Kreuz
http://www.foerster-kreuz.com/autoren/nein/

Video-Empfehlung
Wie führe ich mich selbst?
Dieter Lange
https://www.youtube.com/watch?v=Dv8brpjlPnQ

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